Wem gehört eigentlich die KI, die du benutzt?
Open Source, Open Weights, Closed - drei Wörter aus jedem zweiten KI-Artikel, fast nie erklärt. Dahinter steht eine einzige Frage: Wie viel Kontrolle hast du über das Modell und über deine Daten? In 12 Minuten kennst du den Unterschied - und weißt, worauf du vor dem nächsten Prompt achten solltest.
Open Source. Open Weights. Closed. Drei Wörter, die in jedem zweiten KI-Artikel stehen. Erklärt werden sie praktisch nie.
Man nickt also mit und liest weiter.
Dahinter steckt eine einzige Frage: Wie viel Kontrolle hast du über das Modell - und über deine Daten, die da reinlaufen?
Im Februar 2026 schaltete OpenAI GPT-4o ab. Eine Petition sammelte 22.000 Unterschriften. Genützt hat’s nichts.
Übersicht der Modellvarianten
Grob gibt es drei Varianten - sie unterscheiden sich vor allem darin, wie viel du in der Hand hast.
Closed - die Mietwohnung
ChatGPT, Claude, Gemini. Das Modell liegt auf den Servern des Anbieters und bleibt dort.
Dafür bekommst du: sofort einsatzbereit, keine Hardware, meist beste Qualität. Dagegen steht: Daten auf fremden Servern, Abrechnung pro Nutzung, und der Anbieter kann jederzeit Preise ändern, das Modell umbauen oder abschalten.
Kurz gesagt
Bei Closed-Modellen bist du Gast. Sehr gut bedient - aber ohne Schlüssel.
Open Weights - das Modell liegt bei dir
Der Anbieter stellt die Weights zum Download. Du lädst das Modell auf deinen Rechner und lässt es dort laufen. Offline, wenn du willst.
Der Punkt: Was heruntergeladen ist, bleibt dir. Preiserhöhung, geänderte Bedingungen, Firmenpleite - deine Kopie läuft weiter.
Was du trotzdem nicht erfährst: womit trainiert wurde und mit welchem Code.
Kurz gesagt
Du bekommst den Kuchen, nicht das Rezept.
Echtes Open Source - selten
Open Source heißt: offengelegt ist nicht nur das fertige Modell, sondern auch, wie es gebaut wurde - Trainingscode und genug Information über die Daten, um es nachzubauen. Der Kuchen kommt diesmal mit Rezept.
Gut zu wissen · OSAID, die offizielle Definition
Die Open Source Initiative legte im Oktober 2024 fest, wann eine KI „Open Source“ heißen darf: Weights, kompletter Trainingscode und genug Information über die Trainingsdaten, dass Fachleute das Modell nachbauen könnten. Fehlt eines, ist es kein Open Source.
Fast kein Modell, das so beworben wird, erfüllt das. Llama nicht. Qwen nicht. DeepSeek nicht.
Open Source, Open Weights oder Closed?
Drei Kategorien, drei Freiheitsgrade - was bei einem KI-Modell wirklich offen ist.
ⓘ Daten-Information: ausreichende Infos über die Trainingsdaten, damit Fachkundige das System nachbauen können - nicht zwingend die Rohdaten selbst.
Quelle: Open Source Initiative, OSAID 1.0 (Okt. 2024). Stand Juli 2026.
Wer ist wer?
Genug Theorie - hier die Modelle, die dir 2026 tatsächlich begegnen, einsortiert in die drei Varianten von eben.
Closed
| Modell | Anbieter | Land | Kurz gesagt |
|---|---|---|---|
| GPT-5-Reihe | OpenAI | USA | Steckt hinter ChatGPT |
| Claude (Opus, Sonnet) | Anthropic | USA | Stark bei Text und Code |
| Gemini 3.1 Pro | USA | Tief in Googles Produkte verbaut |
Open Weights
| Modell | Anbieter | Land | Kurz gesagt |
|---|---|---|---|
| Kimi K3 | Moonshot AI | China | Juli 2026, 2,8 Billionen Parameter - größtes offenes Modell der Welt |
| Qwen 3.8 | Alibaba | China | Apache 2.0, breit einsetzbar |
| DeepSeek V4 | DeepSeek | China | MIT-Lizenz, extrem günstig |
| GLM-5 | Zhipu / Z.ai | China | Offener Allrounder |
| Llama | Meta | USA | Machte „offene KI“ bekannt - mit Lizenz-Sternchen |
| Mistral Large 3 | Mistral | Frankreich | Europas bekannteste Alternative |
| gpt-oss | OpenAI | USA | OpenAIs erstes offenes Modell seit 2019 |
| Gemma 4 | USA | Seit April 2026 Apache 2.0 | |
| Nemotron 3 | NVIDIA | USA | Stärkstes US-Open-Weights-Modell |
Vier der fünf führenden offenen Modelle kommen aus China. Auf der Plattform OpenRouter stellten chinesische Open-Weight-Modelle im Mai 2026 rund 61 Prozent aller verarbeiteten Tokens. Llama taucht in den Rankings nicht mehr auf.
Echtes Open Source
| Modell | Anbieter | Land | Kurz gesagt |
|---|---|---|---|
| Apertus | ETH Zürich, EPFL, CSCS | Schweiz | Über 1000 Sprachen, inklusive Schweizerdeutsch |
| Teuken-7B | OpenGPT-X | Deutschland | Alle 24 EU-Amtssprachen |
| OLMo 3 | Allen Institute for AI | USA | Veröffentlicht sogar Trainingsprotokolle |
| Pythia | EleutherAI | USA | Forschungsmodell, komplett nachvollziehbar |
Gut zu wissen · 7B, 70B - was heißt das?
Parameter in Milliarden. Mehr Parameter, mehr Können, mehr Rechenleistung. Ein 8B-Modell läuft auf einem guten Laptop, ein 70B-Modell braucht ernsthafte Hardware.
Diese vier gewinnen keine Benchmark-Wettbewerbe. Sie gewinnen die Kategorie „man kann nachschauen, was drin ist“.
Was heißt das für mich?
Die Kategorien sind das eine. Die Frage, die im Alltag zählt, ist eine andere: Was ändert sich für mich konkret? Dazu gehört ehrlicherweise auch, was klar für die geschlossenen Modelle spricht.
Was heißt das für mich?
Was jede Kategorie im Alltag bedeutet - eine ehrliche Gegenrechnung, kein Sieger-Ranking.
Die letzten zwei Zeilen sprechen klar für Closed - Qualitätsspitze und minimaler Aufwand gehören sichtbar dazu.
Werte sind Orientierung, keine Bewertung. Stand Juli 2026.
Open Washing
Firmen schreiben „Open Source“ auf Dinge, die keins sind. Dafür gibt es ein Wort: Open Washing. Meta hat sich damit besonders viel Kritik eingefangen.
Die Llama-Lizenz erlaubt kommerzielle Nutzung bis 700 Millionen monatlich aktiven Nutzern. Darüber muss man Meta um Erlaubnis bitten - nach Metas Ermessen.
Entscheidend ist nicht das Wort „open“, sondern die Lizenz. Apache 2.0 und MIT sind frei ohne Kleingedrucktes. Alles mit Eigennamen („Community License“, „Terms of Use“) gehört gelesen.
Kurz gesagt
„Open“ ist kein Schalter, sondern ein Spektrum - und ein Marketing-Hebel.
Der Datenschutz-Haken, den du wirklich brauchst
Jetzt zur Frage, die sich beim Wort „Datenschutz“ sofort stellt: Muss ich deshalb gleich ein Modell auf dem Laptop installieren?
Nein. Es gibt eine Zwischenstufe, und die kennen erstaunlich wenige.
Gut zu wissen · Training-Opt-out und API
Bei ChatGPT und Claude lässt sich in den Einstellungen abwählen, dass deine Eingaben zum Training verwendet werden. Bei Business- und Enterprise-Tarifen ist das Standard. Über die API - den technischen Zugang für Software statt Chatfenster - trainieren OpenAI und Anthropic laut eigenen Bedingungen grundsätzlich nicht mit deinen Daten.
Wem der Opt-out-Schalter im eigenen ChatGPT- oder Claude-Konto zu wenig verbindlich ist - und wer die API nicht selbst anbinden will -, für den gibt es eine dritte Möglichkeit: Anbieter, die ein Modell in einer abgesicherten Business-Umgebung verpacken.
Dienste wie Langdock oder Mistral AI Studio schieben sich zwischen dich und das Modell: Du arbeitest in ihrer Oberfläche, dahinter läuft die API eines oder mehrerer KI-Modelle, oft auf europäischen Servern gehostet. Vertraglich zugesichert wird dir dabei das, was im normalen Chatfenster reine Vertrauenssache ist: DSGVO-konformes Hosting an einem festen Ort, keine Nutzung deiner Eingaben fürs Training, und Daten, die den geschützten Rahmen nicht verlassen. Gedacht ist das für Unternehmen - genau deshalb heißt es dort meist „Business” oder „Enterprise”.
Aber
Nicht trainiert werden heißt nicht nicht gespeichert. Zur Missbrauchsprüfung werden Ein- und Ausgaben meist 30 Tage aufbewahrt. Und der Server steht trotzdem, wo er steht - beim US-Anbieter greift potenziell der CLOUD Act.
Grafik · Datenschutz in drei Stufen
Je mehr Kontrolle, desto mehr Aufwand.
Von bequem (links unten) zu maximal privat (rechts oben).
Was das kostet
Zwischen den Sorten liegt nicht nur Kontrolle, sondern auch Geld - und der Abstand ist größer, als man denkt.
| Modell | Preis pro Million Tokens |
|---|---|
| Claude Opus 4.8 (Closed) | ca. 5 - 25 US-Dollar |
| DeepSeek V4 Flash (Open Weights) | ca. 0,14 - 0,28 US-Dollar |
Faktor dreißig.
Gut zu wissen · Token?
KI-Modelle rechnen in Wortbausteinen, nicht in Wörtern. Faustregel Deutsch: 100 Tokens auf 70 Wörter. Abgerechnet wird beides - Eingabe und Ausgabe.
Und der Abhängigkeits-Teil
GPT-4o war kein Einzelfall. Im Juni 2025 kappte Anthropic dem Coding-Tool Windsurf mit weniger als fünf Tagen Vorlauf den Zugang zu Claude - kurz nachdem bekannt wurde, dass OpenAI Windsurf kaufen wollte. Fünf Tage für ein Unternehmen, dessen Produkt darauf aufbaute.
Grafik · Ein Jahr, drei Abschaltungen
Wenn der Zugang von heute auf morgen wegfällt.
Drei Fälle, in denen Closed-Anbieter kurzfristig den Stecker zogen.
Warum das gerade diese Woche wichtig ist
Am 16. Juli veröffentlichte das chinesische Labor Moonshot AI Kimi K3: 2,8 Billionen Parameter, ein Kontextfenster von einer Million Tokens, laut eigenen Benchmarks nur von zwei Modellen weltweit geschlagen - Anthropics Claude Fable 5 und OpenAIs GPT-5.6. Zum Herunterladen. Drei Tage später legte Alibaba mit Qwen 3.8 nach.
Silicon Valley reagierte prompt. Dean W. Ball, bei OpenAI zuständig für strategische Zukunftsfragen, schlug vor, die US-Regierung solle einen Vorwand finden, um regulatorische Unsicherheit und Misstrauen rund um diese Modelle zu erzeugen - offene Modelle würden zwangsläufig die Investitionen der Frontier-Labs bremsen.
Das war zu deutlich. Ball zog die Aussage zurück, nachdem unter anderem Yann LeCun und Martin Casado widersprachen. David Sacks, KI-Berater der Trump-Administration, nannte solche Vorstöße „total BS“.
Laut Axios erwägt die Trump-Administration inzwischen, den Zugang zu chinesischen Spitzenmodellen innerhalb der USA zu beschränken. Beschlossen ist nichts - kein Mechanismus, kein Geltungsbereich.
Der Satz, um den es eigentlich geht, ist Balls eigener: offene Modelle bremsen Investitionen.
Kurz gesagt
Das ist kein Sicherheitsargument. Das ist ein Geschäftsmodell-Argument.
Merksatz für den Kühlschrank
Closed = du hast Zugang. Open Weights = du hast das Modell. Open Source = du hast das Modell und weißt, wie es gebaut wurde.
Nächste Woche: Wie man ein KI-Modell auf dem eigenen Rechner installiert - ohne Informatikstudium und ohne 4.000-Euro-Grafikkarte.
Quellen
Zur Kategorienlogik, Lizenzen und Open Washing
- Open Source Initiative: Open Source AI Definition (OSAID) 1.0, 28. Oktober 2024 - opensource.org
- Meta: Llama Community License Agreement - llama.com/license
- Internationaler KI-Sicherheitsbericht 2026
Zu den Modellen
- Ai2 (Allen Institute for AI): OLMo 3, angekündigt 20. November 2025 - allenai.org
- EPFL / ETH Zürich / CSCS: Apertus, 2. September 2025 - huggingface.co/swiss-ai
- Fraunhofer IAIS / OpenGPT-X: Teuken-7B, November 2024 - opengpt-x.de
- EleutherAI: Pythia - github.com/EleutherAI/pythia
- Datagravity-Analyse zu OpenRouter-Tokenanteilen, Mai 2026
Zu Abschaltungen und Abhängigkeit
- OpenAI: Deprecation von GPT-4o und weiteren Modellen in ChatGPT, 13. Februar 2026
- TechCrunch: Windsurf verliert Claude-Zugang, Juni 2025
Zum aktuellen Anlass (Juli 2026)
- HPCwire / AIwire: „New Open Weight AI Models from China Renew Calls for Regulation“, 21. Juli 2026 - hpcwire.com
- TechCrunch: „OpenAI is scared of open-weight models. Should the US be?“, 20. Juli 2026 - techcrunch.com
- Axios-Bericht zu erwogenen US-Beschränkungen chinesischer Modelle, 20. Juli 2026
- The AI Insider: „Debate Over Chinese Open-Weight AI Models Intensifies“, 21. Juli 2026
Zu Datenschutz und API-Nutzung
- OpenAI API Data Usage Policies - openai.com/policies
- Anthropic Commercial Terms of Service - anthropic.com/legal
- Langdock: Hosting- und Datenschutzangaben - langdock.com
Alle Modell- und Preisangaben Stand Juli 2026. Die Landschaft ändert sich monatlich - vor produktivem Einsatz beim Anbieter verifizieren.
Für dich übersetzt
Drei Fragen, bevor du etwas Sensibles eintippst:
- Wo landen die Daten?
- Was passiert, wenn der Dienst morgen nicht mehr existiert?
- Steht da „open“, weil es offen ist - oder weil es gut klingt?

